Drei-Phasen-Fütterung

Drei-Phasen-Fütterung

Drei-Phasen-Fütterung

Die „3-Phasen-Fütterung“ bedeutet eine Einteilung der wöchentlichen Fütterung in drei Futter-Programme, die die Taube in der Reisezeit optimal mit allen energieliefernden, muskelversorgenden und regenerierenden Nähr- und Wirkstoffen versorgt, ohne zu belasten.

Das Prinzip der „3-Phasen-Fütterung“


1. Nach der Rückkehr und an den beiden Folgetagen wird kohlenhydratreich aber eiweißkontrolliert
gefüttert. Das bedeutet, mehr Getreide als Hülsenfruchte füttern. Gerste ist relativ eiweißärmer als andere Getreidesorten und eignet sich besonders gut. Auch Honig wird gerne als schnell verfügbare Energiequelle gefüttert. Dadurch normalisieren sich die Stoffwechselvorgänge, verlorene Energie wird wieder aufgetankt und der Körper kann entschlacken. So wird die während des Fluges entstandene Milchsäure abgebaut. Zuviel Milchsäure im Muskel verursacht „Muskelkater“.

2. Ab der Wochenmitte wird wieder eiweißreicher gefüttert, um verlorene Muskelmasse aufzubauen und neue Reserven zu bilden. die Futtermischung enthält nun mehr eiweißhaltige Hülsenfrüchte wie Erbsen, Wicken, Linsen und Bohnen. Flüssige
Bierhefe ergänzt die Eiweißzufuhr mit lebenswichtigen Eiweißbausteinen (Aminosäuren) ohne mit einem Eiweiß-Überschuß zu belasten.

3. Am Einsatztag wird leichtverdauliches kohlenhydratreiches Mischfutter mit hohem Reis-Anteil gegeben, damit während des Transports der Verdauungstrakt nicht belastet wird. Reis bindet Wasser und versorgt die Taube mit Flüssigkeit. Achten Sie auf eine ausreichende Wasseraufnahme und vermeiden Sie salzhaltige Produkte wie Grit vor dem Einkorben. Dann entfallen Zwischenlandungen.

Es heißt, dass durch eine bedarfsgerechte Fütterung die körperliche Leistungsfähigkeit bis um 15% gesteigert werden kann. Grundsätzlich können alle Nährstoffe zu Energie verbrannt werden. Am energetisch sinnvollsten ist aber die Nutzung von Kohlenhydraten und Fett. Am Anfang einer körperlichen Belastung werden vorwiegend die Kohlenhydrate verbrannt, die im Körper als Blutzucker und Glycogen (Reservekohlenhydrat des Körpers) vorkommen. Bei längerandauernder Belastung liefern vor allem die Fette Energie.

Kohlenhydrate sind das „Benzin“ des Muskels

Während des Fluges werden nicht nur die Muskeln, sondern vor allem auch das Gehirn und die Nerven extrem beansprucht: Daher keine Leistung ohne Zusammenspiel von Hirn und Muskulatur.
Die für Muskel- und Gehirn-Arbeit notwendige Energie gewinnt die Taube vorwiegend aus Kohlenhydraten, und zwar aus der Stärke v.a. des Getreidefutters. Die aufgenommenen Kohlenhydrate speichert sie in Leber und Muskulatur in Form des Reservekohlenhydrats Glycogen. Gerade bei längeren Flügen ist die Menge des Muskel-Glycogens ausschlaggebend für die Leistungsfähigkeit. Der Gehalt an Muskel-Glycogen läßt sich durch regelmäßiges Training mit entsprechend kohlenhydratreicher Fütterung steigern. Zur völligen Regenerierung erschöpfter Glycogen-Reserven braucht die Taube auch bei kohlenhydratreicher Fütterung ca. 2 Tage. Deshalb sollte wenigstens 24 Stunden vor dem Flug nicht mehr intensiv trainiert werden, da ansonsten die Glycogen-Reserven nicht aufgefüllt werden können. Das Leber-Glycogen hat eine übergeordnete Funktion. So sind Gehirn und Nerven auf die stete Zufuhr von Blutzucker angewiesen. Futterkohlenhydrate garantieren folglich Leistungs-, Konzentrations- und Koordinationsvermögen.
Kohlenhydrate sind wichtig für kurzfristige, schnelle Reaktionen wie Wendungen, Beschleunigung, Steigflug und schnelles Tempo. Leistungsspitzen werden immer durch Energie-Gewinnung aus Kohlenhydraten erzielt. Sind die Glycogenvorräte komplett aufgebraucht, setzt der Fettabbau ein. Aus Fett wird die Energie aber langsamer zur Verfügung gestellt, so dass die Leistung schlagartig zusammenbrechen kann (beim Sportler bezeichnet man dies als „Hungerast“). Auch für das Muskelkräftigungstraining haben Kohlenhydrate im Futter einen positiven Effekt, denn sie sparen Eiweiß ein, das normalerweise zu Energie verbrannt würde und dann dem Muskelaufbau nicht mehr zur Verfügung steht. Kohlenhydrate sind reichlich enthalten in Getreide (Weizen, Gerste, Mais, Dari, Reis, Hafer, Hirse). Durch regelmäßiges und ausdauerndes Training werden die energiebereitstellenden Enzym-Systeme aktiviert. Dadurch werden Kohlenhydrate des Futters quasi wie im „Sog“ in der Muskulatur eingelagert.

Reine Fett-Verbrennung ist energisch ungünstig

Für die Fett-Verbrennung muß 12 % mehr Sauerstoff verbraucht werden, um die gleiche Menge Energie wie aus Kohlenhydraten zu gewinnen. Zu fettreiches Futter liegt ausserdem wie ein „Stein“ im Magen. Wichtig zu wissen ist, daß die Fette im „Feuer der Kohlenhydrate“ verbrennen. D.h. ohne Kohlenhydrate finden äußerst ungünstige Reaktionen statt, die den Stoffwechsel belasten und übersäuern. Dadurch werden
Mineralstoffen gebunden, die dem Organismus nun nicht mehr zur Verfügung stehen. Er reagiert langfristig mit Krämpfen, Blutdruck-Abfall und sinkendem Leistungsvermögen. Trotzdem ist Fett ein wichtiger Energielieferant in der Reisezeit und gerade für Langstreckenflüge wichtig, da die Fett-Reserven die Kohlenhydrat-Reserven um ein Vielfaches übersteigen. Lebenswichtige Fettsäuren sind außerdem Baustein jeder Zelle und Vorstufen für Hormone - den Botenstoffen des Körpers. Wichtig ist, auf das richtige Verhältnis von Kohlenhydraten und Fetten zu achten. Es sollte deutlich mehr Getreide als Sämereien gefüttert werden. Der Fettanteil sollte nicht über 30% der Gesamtenergie-Zufuhr liegen. Es empfiehlt sich daher, hochwertiges pflanzliches (kaltgepresstes) Öl wie Weizenkeim-Öl sparsam zu füttern. Es ist reich an lebenswichtigen Fettsäuren und Vitamin E für eine reibungslose Muskelfunktion.

Ein Zuviel an Sämereien belastet den Stoffwechsel und vor allem das Gewicht zu sehr. Fett ist enthalten in Leinsaat, Sonnenblumenkernen, Sojabohnen, Raps, Kardi und Erdnüssen.

Die Bedeutung von Eiweiß in der Reisezeit

Eiweiß ist das „Baumaterial“ sämtlicher Zellen und deshalb für das Wachstum und den Erhalt von Körpersubstanz wie Muskulatur unverzichtbar. Darüber hinaus sind viele Mikrobotenstoffe des Körpers wie Hormone, Enzyme, Abwehrzellen des
Immunsystems und bestimmte Transportproteine z.B. für Mineralstoffe und Spurenelemente aus Eiweiß aufgebaut. Auch Eiweiß kann zu Energie verbrannt werden, fehlt dann jedoch als Baustein der Muskulatur. Ein Zuviel an Eiweiß in der Fütterung erzwingt eine höhere Flüssigkeitsaufnahme, damit die Eiweiß-Abbauprodukte über die Nieren ausgeschieden werden können. Eine zu geringe Wasser-Aufnahme führt zu einer „Zwangsausscheidung“ und entzieht damit dem Körper notwendiges Wasser.

Achten Sie auf die Vitalstoff-Zufuhr

Nicht nur energieliefernde Nährstoffe müssen zugeführt werden, sondern auch Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Sie sind für unzählige Stoffwechselreaktionen wie Energiefreisetzung und -verwertung lebensnotwendig.
Gerade die B-Vitamine sowie Eisen, Zink, Selen, Calcium, Magnesium und Kalium bilden die „Zündfunken“ für die Energiefreisetzung. Da die meisten Vitalstoffe nur in geringem Maße gespeichert werden können, sollte das Futter in der Reise regelmäßig mit ausreichend Vitaminen etc. ausgestattet sein. Hier empfehlen sich natürliche pflanzliche Vitalstoff-Komplexe wie flüssige Bierhefe, die den Bedürfnissen der Taube am meisten entgegenkommen.